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Between Runs and Rescues: A Ski Patroller’s Reality
20. Mär 20265 Min. Lesezeit

Zwischen Piste und Notfall: Der Alltag einer Ski Patrollerin

Zwischen perfekt präparierten Pisten, frischen Powder-Lines und dem nächsten Lift verbirgt sich eine Welt, die die meisten Wintersportler nie sehen: Menschen, die bereitstehen, wenn Sekunden über Sicherheit und Leben entscheiden. Was in Deutschland die Bergwacht im alpinen Gelände übernimmt, passiert in Skigebieten in Kanada und den USA direkt auf der Piste – schnell, präzise und oft unter extremem Druck: die Arbeit der Ski Patrol. Für diesen exklusiven Einblick haben wir mit der erfahrenen Ski-Patrollerin Carolina Suarez-Pedra aus Ontario (CA) gesprochen, die uns von Adrenalinschüben, brenzligen Rettungseinsätzen und den Herausforderungen ihres Alltags erzählt – und dabei zeigt, warum jedes Equipment, jede Sekunde und jede Entscheidung zählt.

Kannst du einen Moment auf dem Berg beschreiben, in dem du auf einen Notfall reagieren musstest? Was ging dir dabei durch den Kopf?

„In Ontario sind die meisten Ski Patroller freiwillig im Einsatz. Allein in meinem Skigebiet sind wir etwa 70 Leute, und an Wochenenden stehen rund 60 von uns unbezahlt auf dem Berg – einfach, weil uns die Sicherheit der anderen wichtig ist. An einem vollen Tag fahren wir 50 bis 60 Einsätze. Jeder einzelne lässt den Puls hochgehen, selbst die scheinbar routinemäßigen. Aber ein Einsatz ist mir besonders im Kopf geblieben. Über Funk kam die Meldung: eine Kollision, beobachtet von einem Patroller im Lift. Ein großer Erwachsener und ein kleines Kind. Es war mein erster Einsatz mit einem Kind. Ich stand gerade am Gipfel, als der Funkspruch kam. Mein Kopf hat die Details gar nicht mehr vollständig verarbeitet – ich hatte nur einen Gedanken: Los. Ich bin sofort gestartet. Während ich den Hang hinunterfuhr, war mein Kopf zweigeteilt. Ein Teil war schon unten am Unfallort und bereitete sich auf das vor, was mich erwarten könnte. Der andere Teil blieb komplett fokussiert auf die Strecke vor mir – ich habe nach unkontrollierten Fahrern, Eisplatten und unübersichtlichen Kuppen gesucht. Mir war klar: Das Schlimmste wäre, selbst zum nächsten Patienten zu werden, bevor ich überhaupt ankomme. Ich habe meine Linie gewählt, meine Anfahrt geplant, bin mit Tempo reingekommen, so schnell wie möglich aus der Bindung raus und direkt in Position gegangen.
Dann hat das Training übernommen. Ich habe das Adrenalin runtergefahren, bewusst langsamer geatmet und mit der Erstversorgung begonnen – den Lärm, die Menschen und die Situation komplett ausgeblendet. Für ein paar Minuten existierte der Rest des Bergs einfach nicht mehr. Und keine Sorge – sie hatte Glück. Leichte Verletzungen am Bein und Kopf, und am Ende hat sie sogar wieder gelächelt.“

Welche Herausforderungen oder Gefahren erleben Ski Patroller im Alltag, die die Öffentlichkeit oft nicht wahrnimmt?

„Eine der größten Gefahren für uns entsteht ehrlich gesagt dadurch, dass Leute Sicherheitshinweise ignorieren. Jedes Skigebiet bildet seine Patrol für genau die Bereiche aus, die offiziell geöffnet und markiert sind. Bei uns wird es problematisch, wenn Gäste die engen Waldstücke zwischen den Pisten als ‚Glade Runs‘ interpretieren. Das sind sie nicht. Und wenn dort jemand verunglückt, wird aus einer einfachen Rettung schnell eine extrem stressige und riskante Situation. Unsere Rettungsschlitten passen nicht durch enge Bäume, Spineboards lassen sich dort nicht einsetzen. Das bedeutet: Ein Patient, der möglicherweise stabilisiert werden muss, liegt in einem Gelände, in dem wir unser Equipment gar nicht richtig nutzen können. Das erhöht das Risiko für alle Beteiligten – und macht die Rettung deutlich komplizierter. Wir kommen immer – das ist unser Job. Aber die Schilder stehen nicht da, um den Spaß zu verderben. Sie stehen da, weil es in diesen Bereichen richtig schlimm werden kann, wenn etwas passiert.“

Wie findest du den besten Weg, um jemanden auf dem Berg zu erreichen, insbesondere wenn die Bedingungen schwierig oder gefährlich sind?

„Wenn die Bedingungen schwierig sind, hat unsere eigene Sicherheit oberste Priorität – nicht aus Egoismus, sondern weil ein Einsatz besser ist als zwei. Ein Patroller darf nicht selbst zum Patienten werden. Grundsätzlich suchen wir immer den Weg mit dem geringsten Widerstand. Solange jemand nicht im Wald liegt, ist der Zugang meist noch relativ einfach. Die eigentliche Herausforderung ist der Transport.

Wir müssen berücksichtigen:
– den Verkehr auf der Piste
– wie viele Patroller verfügbar sind, um abzusichern
– und ob die Strecke zu viele flache Passagen hat

Jede Rettung ist eine Mischung aus Erste Hilfe, Logistik und Risikomanagement – und das alles auf einem sich ständig verändernden Berg.“

Kannst du von der Rettung erzählen, die dir am meisten im Gedächtnis geblieben ist, und was sie besonders gemacht hat?

„Der Einsatz, der mir am meisten im Kopf geblieben ist, ist gleichzeitig der peinlichste. Es war meine erste Fahrt mit dem Rettungsschlitten als zertifizierter Fahrer. Eine Patientin war in eine Schneekanone gerutscht. Wir haben sie versorgt, alles lief gut – aber wir hatten nur wenige Leute, um den Verkehr zu kontrollieren. Ich bin Richtung Tal gestartet, Pfeife im Mund, habe versucht, alle zu warnen… aber wie wir wissen, sind viele einfach in ihrer eigenen Welt unterwegs. Jemand hat mir die Linie geschnitten, ich habe die Kante verloren – und plötzlich lag der Schlitten auf mir. Nicht ganz der Heldmoment, den ich mir vorgestellt hatte. Zum Glück haben zwei Leute das gesehen und sofort geholfen. Nach ein paar Minuten war ich wieder auf dem Board und unterwegs – Patientin sicher, Stolz leicht angekratzt. Die Lektion: Du kannst alles richtig machen und trotzdem vom Verkehr auf der Piste ausgebremst werden.“

Wie hat das Equipment, das du nutzt deine Arbeit verändert? Wenn du ein Tool hättest, das dich schneller oder agiler macht, wie würde es deine Arbeit verändern?

„Zeit ist bei jedem Einsatz entscheidend. Ich brauche ein Board, das verzeihend, stabil und schnell ist – aber trotzdem gut manövrierbar. Gleiches gilt für die Bindung: reaktionsschnell, aber vor allem schnell und einfach zu bedienen. Ich habe so ziemlich jedes Schnell-Einstiegssystem ausprobiert. Für den Patrol-Einsatz sind Clews mit Abstand die besten. Der Unterschied ist: Du kannst dir nicht aussuchen, wo du ein- oder aussteigst. Manchmal ist es flach und entspannt, oft aber steil, eisig oder chaotisch. Genau dort machen Clews den Unterschied. Das System funktioniert unabhängig vom Gelände. Kein Gefummel, keine ungünstigen Winkel, keine verlorenen Sekunden. Und wenn Zeit entscheidend ist – was sie im Patrol-Alltag immer ist – dann ist Equipment, das einfach funktioniert, alles.“

Wie hat die Arbeit als Ski Patrollerin deine Sicht auf den Berg, Snowboarding oder sogar das Leben verändert?

„Die Arbeit als Ski Patrol verändert komplett, wie du den Berg siehst. Du siehst keine ‚Spaß-Lines‘ mehr, sondern Risiken: unübersichtliche Kuppen, Engstellen, eisige Passagen, Bereiche, in denen ständig etwas passiert. Der Berg ist nicht mehr nur Spielplatz, sondern ein System, das du jeden Tag neu lesen musst. Auch dein Fahrstil verändert sich. Du fährst defensiver, planst deine Auswege und denkst darüber nach, wie du jemanden im Notfall bergen würdest. Und ehrlich gesagt verändert es auch deinen Blick auf Menschen. Du siehst, wie schnell ein guter Tag kippen kann und wie kleine Entscheidungen große Folgen haben können. Am Ende lehrt dich die Patrol vor allem Demut. Der Berg hat immer das letzte Wort. Das überträgt sich auch aufs Leben: Respektiere deine Umgebung, arbeite im Team und erkenne, wann es besser ist, einen Schritt zurückzugehen.“

Übersetzt aus dem Englischen